Dan Perjovschi, „Drawing Protest“: Von Museumswänden zu Facebook-Walls und Zurück

Dan Perjo card

Was: Dan Perjovschi, solo show, „Drawing Protest“: Von Museumswänden zu Facebook-Walls und Zurück

Wann: 9 Mai-7 September, 2014

Wo: Shedhalle, Rote Fabrik, Seestr. 365, Zurich, Switzerland, http://www.shedhalle.ch

Dan Perjovschi (geb. 1961 in Sibiu, RO)  ) ist als Künstler seit über 25 Jahren für seine politisch engagierten Wandzeichnungen in institutionellen Räumen bekannt. Seit 2 Jahren stellt er seine künstlerische Aktivität von analoger auf digitale Zeichnung um, welche er auf seiner Facebook-Seite zeigt. Dort verbreiten und diskutieren Tausende von Friends seine politischen Statements. Sie finden Zustimmung aber auch Ablehnung oder Widerspruch.

Dies schafft einen reichen Austausch zwischen sehr unterschiedlichen Menschen, darunter Kulturschaffende, Wissenschaftler_innen, Politiker_innen, Journalist_innen und andere. Mit ihnen wird aus Perjovschi’s Facebook-Seite ein Ort bedeutender sozialer Mobilisierung.

In den letzten Jahren ist Facebook als eine wichtige Stütze sozialer Proteste genutzt worden, von der Occupy- Bewegung bis zu den noch anhaltenden Revolutionen in Nordafrika und dem Nahen Osten, Venezuela, der Ukraine und anderswo; einige werden sogar “Facebook-Revolutionen” genannt.

Facebook dient als Plattform der Protestierenden, selbst wenn deren physische Präsenz und Interaktion oft gewaltsam unterdrückt wird.

Die Wirkung von Facebook in politischen Protesten wird aber auch in Frage gestellt, und zwar aufgrund der Annahme, dass es – abgesehen von der Förderung des öffentlichen Bewusstseins – immer noch persönliche Beziehungen und Einfluss braucht, um tatsächlich soziale Verhältnisse zu ändern – und nicht die schwachen Netzwerke, die auf Facebook entstehen.

In seiner aktuellen Solo-Ausstellung “Drawing Protest: From Museum Walls to Facebook Walls and Back ” zeigt Dan Perjovschi seinen künstlerischen Aktivismus für die “Rette Rosia Montana”-Kampagne in Rumänien – als Antwort auf und Fazit der Debatte.

Eine Non-Profit-Organisation wehrt sich aus ökologischen Motiven seit 10 Jahren aktiv gegen den Bau einer Zyanid -Goldmine An Dynamik gewonnen hat sie vor allen seit September 2013, als, nachdem das Parlament heimlich abstimmte um das Minenprojekt zu genehmigen, landesweit soziale Proteste starteten.

Diese Proteste haben sich dank dem Einsatz der rumänischen Diaspora schnell weltweit verbreitet. Vielfältige Gruppen mit oft entgegensetzten Ansichten bewegten und vereinigten sich, darunter Linke und Rechte, Nationalist_innen und Internationalist_innen. Dies führte letztlich zum Scheitern des Minen-Projektes – ein beträchtlicher Erfolg.

Durch seine ergreifende und humorvolle Gegenüberstellung von Text und Form erfasst Perjovschi die Essenz politischer Fragen, und schafft gleichzeitig in schnellen und zugänglichen Strichen einen ausgeklügelten Kommentar.

Die Fähigkeit, komplexe Ideen auf einfache Zeichen zu reduzieren, hat ihm Respekt als künstlerischem Aktivisten eingebracht. Seine Absucht, die Botschaften der Protestbewegungen durch Zeichnungen zu kommunizieren, hat ihn zu einer Art Aushängeschild derselben gemacht.

So sind seine Zeichnungen konsistent weltweit durch Facebook verbreitet, gedruckt, und als Poster in weltweiten Protesten benutzt worden, insbesondere in der Rosia Montana-Kampagne.

Durch die Wahl von Facebook als Ort, um Kunst auszustellen spricht Perjovschi nicht nur den Zusammenhang von Kunst und politischem Handeln an, sondern übt auch institutionelle Kritik, indem er die Rolle von Galerie und Museum als Hauptorte eines Dialogs zwischen (politischer) Kunst und der so genannten „Öffentlichkeit“ in Frage stellt.

In der Ausstellung „Drawing Protest“ präsentiert Perjovschi eine große ortsspezifische Installation, die Ausdrucke von Facebook- Zeichnungen mit dazugehörigen Kommentare, ephemere Wandzeichnungen und Zeichnungen auf Zeitungen kombiniert. Damit untergräbt er die Konzepte von Authentizität, Copyright, die Aura des Einzigartigen, und hinterfragt den Verdienst des Kunstobjektes – jene Elemente, die als entscheidend für die Legitimität des Museums in seiner heutigen Form gelten.

Perjovschis künstlerischer Ansatz spiegelt seine Auffassung von Kunst als einer „demokratischen Art der Kommunikation“ im Kontext des politischen Aktivismus, wieder.

Er stellt sich in die langen Tradition politischer Graffiti und zeigt eine neue Schnittstelle von Technologie und traditionellen Medien.

Kuratorin: Olga Stefan, Itinerant Projects, http://www.olgaistefan.wordpress.com

Veranstaltungen in Verbindung mit der Ausstellung:

„Drawing Protest“ Press Preview: Montag, 5. und Dienstag, 6. Mai , 13.00 – 15.00

Vernissage: Donnerstag, 8. Mai, 19:00 – 22:00

Podiumsdiskussion: „Der Feind meines Feindes. Kunstaktivismus und fragwürdige politische Allianzen in aktuellen sozialen Bewegungen“ mit: Balthasar Glättli, Bernard Schmid, Dan Perjovschi, Eugen David.  Moderiert von Olga Stefan.  Donnerstag, 8. Mai, 20:00-21:00

Artist Talk – Dan Perjovschi, 10. Mai, 13:00-15:00

Filmvorführung/Avant Premiere: zwei filme, 22. Mai, 19:00 – 21:00

“Wo bist du , Bukarest?” Film von Vlad Petri. 80 Minuten

Vlad Petri folgte rumänischen Demonstrant_innen, die 2012 die Straßen von Bukarest besetzten. Darauf folgte ein Referendum, dass die Regierung von Ponta ins Amt hob. Eine ergreifende Dokumentation über Menschen, die am Boden zerstört, impulsiv, zynisch und ermutigt sind. Die Wandel wollen, sich aber in reaktionärer Ideologie verlieren und letztlich ohne Alternative bleiben. Und über eine Revolution, die eine tragische Absurdität erfährt, mit inneren Kämpfen zwischen der Rechten und der Linken sowie einer Angst vor Globalisierung, die im Nationalismus verhaftet ist.

Romanian Autumn, Film by Matei Budeș, 15’

Im vergangenen Herbst gingen Menschen – in Rumänien und darüber hinaus – auf die Strasse, um gegen den Gesetzentwurf über den cyanid-basierten Goldabbau in Rosia Montana zu protestieren. Nach Jahrzehnten der politischen und wirtschaftlichen Korruption und des Betrugs waren die Menschen in der Lage, ihre Enttäuschung in einer Bewegung zu kanalisieren, um Rosia Montana vor Ausbeutung zu schützen. Der Film ist eine Hommage an die Demonstrierenden und ihre Einigungsversuche, die durch unterschiedliche Stadien gingen; sie brachten die Linke und die Rechte in Konflikt und zu einer ambivalenten temporären Allianz – für diese einzelne Sache.

Parallel Event

Künstler_innengespräch mit Lia Perjovschi, Corner College, 3. Mai um 20Uhr

Lia und Dan Perjovschi haben oft in politischen und sozialen Projekten zusammengearbeitet, aber auch künstlerisch: im Rahmen des Contemporary Art Archive (CAA), einem Langzeitprojekt, dem ersten seiner Art in Rumänien. Lia Perjovschi wird einige Ihrer vergangenen Projekte vorstellen, die Entwicklung ihrer Tätigkeit und deren Veränderungen (durch persönliche, soziale und politische Ursachen) – und erzählen, wie es letztlich zum „Museum des Wissens“ kam. Darin recycelt Lia ihre anderen künstlerischen Projekte, einschließlich des CAA. Wie eine Architektin präsentiert sie ein Modell – auf einem Tisch, an den Wänden, oder in einem Raum – mithilfe von Diagrammen aus ihrer interdisziplinären Forschung. Diese basiert auf Büchern, Zeitschriften, dem Internet und Objekten aus Museums-Shops aus aller Welt, die vor allem für Bildungszwecke verwendet werden (1999 bis heute). Das Museum des Wissens besteht aus  7 Abteilungen: Erde, Körper, Kunst, Kultur, Wissen, Wissenschaft und Universum. Gemeint ist nicht „das Museum“ als solches, sondern eher eine Grundlage dafür. Wissen bedeutet Überleben (das beste aus dem zu machen, was da ist).

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